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Diskussionspapier zur Bankenblockade der »Aktionsgruppe Georg Büchner« am 18. Oktober 2010 in Frankfurt am Main

die offenbacher gruppe antifa [ko] hat ein dikussionspapier zur geplanten bankenblockade der „aktionsgruppe georg büchner“ veröffentlicht.
die unterstützer_innen-liste der blockade liest sich wie ein „who-is-who“ der, struckturell bis offen antisemitischen, bauchlinken der brd (ank, dkp, attac,fdj, die linke, jede menge christliche organisationen), in sofern müsste der ton des papiers noch verschärft werden, da ein großteil der unterstützer immer wieder mit antisemitischen äußerungen auf sich aufmerksam macht. leider sind auch einige gruppen darunter von denen wir bisher eine eher gute meinung hatten, da sie stets scharfe kritik an solchen vorhaben äusserten.

Die Ursache der Krise lässt sich nicht blockieren!

»Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt?« (Georg Büchner)

»Die Verursacher und Profiteure der Krise blockieren!« [1] – so lautete das offizielle Motto der für den 18. Oktober 2010 angedachten Blockade »zentrale[r] Institutionen des Finanzsektors« in Frankfurt am Main. Mit der Aktion soll gegen das von der Bundesregierung verabschiedete Sparpaket protestiert werden. »Es ist höchste Zeit, dass sich der Wind dreht, damit das Feuer nicht länger die Hütten niederbrennt, sondern die Paläste der Brandleger heimsucht.« Dieser Satz aus dem Aufruf der »Aktionsgruppe Georg Büchner« fasst dessen Hauptaussage und die Intention der Bankenblockade relativ prägnant zusammen: Den Verfassern des Aufrufs gehe es bei der Aktion darum, der von vielen Menschen empfundenen Wut »eine Richtung, einen Ort, eine Chance zu geben«. Da die im öffentlichen Diskurs häufig rezipierte »soziale Schieflage« dieses Sparpakets unübersehbar ist, könnte auf den ersten Blick angenommen werden, dass es sich bei dieser Idee um eine unterstützenswerte Aktion handelt. Warum dem nicht so ist und weshalb die »systemischen Banken« als auserwähltes Feindbild zur Entladung dieser Wut eindeutig das falsche Ziel sind, wollen wir im vorliegenden Diskussionspapier beleuchten.

Der erste Schock der Krise scheint überwunden. Die von Medien und Politik konstatierte Gefahr »sozialer Unruhen« hat sich zumindest in der Bundesrepublik nicht bewahrheitet. Vielleicht auch deshalb, weil die Auswirkungen der Krise von der Bundesregierung relativ gut gedämpft werden konnten und der totale Finanz-Crash unter anderem durch das milliardenschwere Rettungspaket für die Banken abgewendet werden konnte. Dass die Schuldenlast dieser Rettungsaktion durch Einsparungen beim Bundeshaushalt nun auf dem Rücken der sozial Schwächsten dieser Gesellschaft abgewälzt wird, ist sicherlich Grund genug dafür, Widerstand zu leisten. Deshalb ist es auch begrüßenswert, dass sich unzählige gesellschaftspolitische Gruppen zusammengefunden haben, um zu überlegen, wie diesbezüglich ein »gemeinsames Startsignal« gesetzt werden kann.

Will dieser Widerstand allerdings ernst zu nehmen sein, muss er die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend in Frage stellen – andernfalls verkommt er zur Farce: Die hilflose Forderung nach der »Einführung einer Finanztransaktionssteuer« und der verzweifelt anmutende Ruf nach der »Besteuerung aller Vermögen über 1 Million mit 5%« sind zwar als »Widerstand gegen die da oben« für die breite Masse leicht vermittelbar und deshalb gesellschaftlich anschlussfähig, verkennen aber die Aufgabe und die Handlungsoptionen staatlicher Politik. Dadurch, dass der Staat um Hilfe angebettelt und dessen Gewaltmonopol und Aufgabe im Kapitalismus nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden, besiegeln diese Forderungen die bestehenden Verhältnisse, geprägt von Konkurrenz, Ausbeutung, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit. Darüber hinaus müssen Reformen im eigenen Standort immer auf irgendeine Art und Weise finanziert werden und haben daher lediglich eine Verschiebung der ursprünglichen Problematik zur Folge.

Die aktuelle Wirtschaftskrise ist sicherlich nicht das Resultat eines im Aufruf angeführten »Finanzkrieg[s]«; sie ist häufig ganz einfach die Krise kapitalistischer Akkumulation: Werden beispielsweise durch eine Überproduktion an Waren für eben diese keine Käufer mehr gefunden, kann bereits von einer Krise gesprochen werden. Dass die Banken auch Kredite weiterverkauft haben, die nicht gedeckt waren, spricht nicht für Habgier, sondern ist lediglich Ausdruck der im kapitalistischen System vorherrschenden Profitlogik. Der Finanzsektor ist von der aktuellen Wirtschaftskrise genau so betroffen wie andere Kapitalisten auch – nicht mehr und nicht weniger. Durch den systemimmanenten Zwang zur Kapitalakkumulation sind immer wiederkehrende Krisen allerdings fester Bestandteil dieser Gesellschaftsordnung. Langfristige Verbesserungen für die Menschen sind deshalb nicht mit, sondern nur gegen den Staat zu bewerkstelligen.

Die fokussierte Kritik an den Banken, der Börse oder dem »Finanzsektor« ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Personifizierte Kritik an kapitalistischen Verwertungszwängen bietet immer Anschluss für strukturell antisemitische Deutungs- und Erklärungsmuster: Die Nazis der NSDAP unterschieden in ihrem selbst ernannten »Antikapitalismus« zwischen dem so genannten »raffenden Kapital«, welches mit den Jüdinnen und Juden assoziiert und für alles Übel verantwortlich gemacht wurde, und dem so genannten »schaffenden Kapital«, welches sich angeblich in der »ehrlichen, deutschen Arbeit« manifestiere. Und auch die heutigen Neonazis sind noch immer äußerst angetan von der Symbolik, die Protestaktionen in Frankfurt, der »Stadt der Banken und der Börse, der internationalen Hochfinanz und der Global Player« [2] mit sich bringen. Das alles bedeutet natürlich nicht, dass die »Aktionsgruppe Georg Büchner« explizit antisemitische Propaganda betreibt – deren Kreation eines im Finanzsektor zu suchenden Sündenbocks für gesellschaftliche und ökonomische Missstände ähnelt aber zumindest vom Wesen her deutlich antisemitischen Argumentationen. Diesem Problem wurde sich, nachdem die Kritik an dem Vorhaben der Bankenblockade immer lauter wurde, offenbar auch die »Aktionsgruppe Georg Büchner« bewusst und stellte prompt einige kurze Texte in der eigens dafür gegründeten Rubrik »Debatte« auf ihre Homepage. In den Beiträgen zeigt die Aktionsgruppe zwar Verständnis für die auch hier geäußerten Bedenken, hält aber paradoxerweise dennoch an ihrem Plan fest.

Die Aktionsgruppe erklärt in einem dieser Rechtfertigungsversuche, dass »Banken mit einem Geschäftsvolumen von nationalen Regierungen ein entscheidende Bedeutung für die gegenwärtige Wirtschaftskrise […] haben«. [3] Dies zu benennen habe nichts mit einer antisemitischen Weltanschauung zu tun, sondern stelle sich »zu aller erst der Wirklichkeit kapitalistischer Verhältnisse«. [4] Während sich angesichts des Rettungspakets für die Banken durchaus über deren Rolle als die im Titel des Aktionsaufrufs benannten »Profiteure« der Krise streiten lässt, reproduziert die Vorstellung, es gäbe einen »Verursacher«, also einen im Finanzsektor verorteten Verantwortlichen oder Schuldigen der Krise, eben diese antisemitischen Klischees. Wieso die »Aktionsgruppe Georg Büchner« nach der Feststellung, dass die »Unterscheidung in ›gutes‹ und ›böses‹ Kapital […] im besten Fall dumm, im schlechtesten Fall antisemitisch« [5] sei, dennoch an ihrer verkürzten Kritik am Kapitalismus und der Fokussierung auf den Finanzsektor festhält, anstatt eine radikale und alles umfassende Kritik am kapitalistischen Ausbeutungsverhältnis zu formulieren, bleibt wohl deren Geheimnis.

Immerhin: Der abstruse »Verursacher«-Vorwurf wurde aufgrund von großen Diskrepanzen auch innerhalb des eigenen Unterstützerkreises auf der am 21. August veranstalteten Aktionskonferenz, die im Studierendenhaus der Goethe-Uni stattfand, aus der Überschrift des Aufrufs (nicht aber von den Mobilisierungsplakaten) gestrichen. Der Titel lautet nun: »Beteiligt euch an den Blockaden zentraler AkteurInnen und ProfiteurInnen […] der Wirtschafts- und Finanzkrise am 18. Oktober in Frankfurt/Main«. [6] Das klingt zwar auf den ersten Blick besser – an der von der Aktionsgruppe bewusst gewählten Symbolik der Aktion ändert sich dadurch allerdings nichts.

Es ist richtig, dass der praktische Aspekt einer derartigen Aktion des zivilen Ungehorsams durch die offensive und provokante Ausrichtung durchaus als positiv zu bewerten ist. Durch diese Aktionsform werden die staatlich vorgegebenen Spielregeln gebrochen und die Aktivisten_innen nehmen bewusst die Konfrontation mit der Polizei als staatliche Exekutive in Kauf – anders als bei den »Wir zahlen nicht für eure Krise« Demonstrationen, welche bei vielen Beteiligten wohl eher ein Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit hervorriefen. Allerdings braucht es für progressive Aktionsformen, die soziale Kämpfe verschärfen, nicht die Fokussierung auf den Finanzsektor. Auf der anderen Seite ist auch klar, dass der Kapitalismus als Ganzes natürlich nicht blockiert werden kann. Doch selbst die symbolische Blockade eines Arbeitsamtes träfe die Problematik des Sparpakets und der Auswirkungen der Krise auf Lohnarbeiter_innen und Erwerbslose wesentlich besser. Die Blockade von Banken schließt hingegen unreflektiert an den von Medien und Öffentlichkeit konstruierten bankenkritischen Diskurs an, der nur das Ziel verfolgt, die »Marktwirtschaft«, also den Kapitalismus im Normalbetrieb, der Kritik zu entziehen. Die Vorstellung von einem »neoliberalen Casino-Kapitalimus« ist bürgerliche Ideologie und impliziert, dass der Kapitalismus sozial sein kann, sofern er nur »an die Leine« genommen wird. Das Problem sind aber eben nicht die Banken – es ist das ganze System. Forderungen nach der Einführung einer Finanztransaktionssteuer, wie diese auch im ersten Aufruf der »Aktionsgruppe Georg Büchner« auftauchen, sind das beste Beispiel für ein solches Verständnis von Staat und Kapital.

Alles in allem bleibt für uns noch die Frage nach der Strategie einer wünschenswerten Verschärfung des Widerstands: Wieso sollen die sozial Schwachen und die Verlierer der Krise mobilisiert werden, um sich über vermeintliche oder tatsächliche Profiteure in irgendwelchen verglasten Wolkenkratzern zu empören, anstatt sich kritisch mit den bestehenden Verhältnissen auseinanderzusetzen und einen Gesellschaftsentwurf anzufertigen, in dem alle profitieren?
»In Ordnung leben heißt hungern und geschunden werden.« (Georg Büchner)

Staat & Kapital den Kampf ansagen!

antifa [ko]

Fußnoten

[1] Alle kursiv gedruckten Stellen, sofern nicht anders gekennzeichnet, zitiert aus dem Aufruf »Aufstand. Jetzt.« der »Aktionsgruppe Georg Büchner«
[2] Aus dem Aufruf für eine »antikapitalistische« Neonazidemonstration am 07.07.2007 in Frankfurt am Main – infoportal24.org, 16.08.10
[3] »Der Finanzsektor – Verursacher und Profiteur der Krise?«, »Aktionsgruppe Georg Büchner« – georg-buechner.org, 16.08.10
[4] ebd.
[5] »Spekulationen über verkürzte Kapitalismuskritik«, »Aktionsgruppe Georg Büchner« – georg-buechner.org, 16.08.10
[6] »Aufruf zur Bankenblockade am 18. Oktober«, »Aktionsgruppe Georg Büchner« – georg-buechner.org, 22.08.10

wer mer zu diesen themen möchte, dem_der sei die seite des „strassenauszucker“-kollektivs empfohlen.

Gegen den ganz normalen Deutschen!

Endlich wieder Fifa Fußball-WM.
Endlich noch mehr Nationalfarben, als ohnehin schon nach dem Sieg beim Grand-Prix zu sehen waren.
Endlich wieder alle fest zusammen für den Sieg „unserer Jungs“.
Der deutsche Volksmob formiert sich wieder, sei es beim antisemitischen hetzen von vermeintlichen „“Israel-Kritikern“ oder beim Angriff auf Dönerbuden.
Innerhalb der letzten 12 Jahre gab es KEINE WM oder EM Veranstaltung bei der es keine deutsche Lynchjustiz gab! Aber warum? Und vor allem, wo ist der die „“wichtige Unterscheidung“ zwischen normaler, guter Vaterlandsliebe und bösem Nationalismus? Und „Nation“, was ist das eigentlich?

Nun die Nation stellt ideologisch gesehen eine „Schicksalsgemeinschaft“ dar, das bedeutet auf dieses Kollektiv werden vermeintliche gemeinsame Interessen der ihr Angehörigen projiziert und diesen ein gemeinsames Schicksal untersetellt.

Eine Nation ist also ein Kollektiv, allerdings ein Ausschließendes, da es klare Unterteilungen gibt, wer dazu und wer nicht dazu gehört und es sich durch die Abgrenzung nach „Außen“ definiert, „der Türke“ kann zum Beispiel auch noch so oft Abitur gemacht haben und in der 3. Generation in der BRD leben, er wird nicht als Deutscher anerkannt. Ähnlich verhält es sich mit allem sonstigen „Art- oder Volksfremden“ seien es nun Juden, Schwarze oder „Volksverräter“ diese werden niemals Teil des deutschen Kollektivs sein.
Diesem ausschließenden Kollektiv wird nun ein gemeinsames Interesse unterstellt, das Überleben und das Durchsetzen gegen die Anderen, quasi die Nation als Selbstzweck, gegen die Feinde. In diesem Zweck steht alles, so ist auch der_die Homosexuelle ein Feind da er_sie sich und damit die „nation“ nicht vermehrt.

Die Nation soll also entweder gemeinsam sterben oder siegen. Dazu müsse sie vor „Feindlichen „Angriffen“ jeder Art geschützt werden. Also Ausländern, Juden, etc. und da diese den Tod des deutschen Volkes anstreben würden (durch zum Beispiel Durchrassung“ oder Unterwerfung) lasse sich auf diesen „Anschlag“ nur auf eine Art antworten: Mit der Vernichtung des Gegners in der Heimat oder wo eben sonst auf ihn getroffen wird .

Der Feind schlechthin ist traditionell „der Jude“ (heute durch Israel symbolisiert), nicht umsonst wurde „er“ systematisch eliminiert. Womit ein weiteres Wesensmerkmal der Nation angesprochen wäre: der absolute Feind. Dieser sei der Grund für alles Schlechte und der heimliche Weltherrscher, und müsse dementsprechend allen Hass des „Volkes“ auf sich ziehen.

So sollen innere Interessensgegensätze übermalt und nach außen projeziert werden. So sei an der Krise nicht der Kapitalismus schuld, und damit wir alle, die ihn täglich aufs neue reproduzieren, sondern DIE Manager, DIE Banken, DIE Ostküste, wo alle raffgierig seien, eben über mehr oder weniger Ecken die Juden. Die Nation stellt also die Antwort des Bürgertums dar, auf das nicht erfüllte bürgerliche Glücksversprechen, von Einigkeit, Recht und Freiheit.

Durch die Projizierung des nationalen Kollektivs auf noch kleinere Gruppen, bei zum Beispiel der WM wird dieser „nationale Überlebenskampf“ greifbarer und Ausschreitungen liegen dementsprechend in seiner Logik, der rassistisch, antisemitisch und völkische Alltag allerdings auch.
Die angestrebte innere Einigkeit der NAtion, kann IMMER nur durch die Abgrenzung gegen „die Anderen“ vorgetäuscht werden, und ist so immer, mehr oder weniger offen, auf die Unterwerfung oder das Besiegen “ der Anderen“ angelegt.
Es gibt nicht bösen und guten Patriotismus, der eliminatorische Charakter des Nationalsozialismus ist nationaler Charakter.

Gegen den ganz normalen Deutschen!

Für etwas Besseres als die Nation!
Für den Communismus!
Für die Anarchie!

Natürlich ist das Thema einiges komplexer. mehr Infos, Theorien und Denkanstöße gibt es hier:
-mandi
-Straßen aus Zucker
-…ums ganze
-Männerfußballweltmeisterschaft und Gesamtgesellschaftlicher Nationalismus

„friedliche“ Antisemiten

endlich einige gute beiträge zu der „free gaza“ hysterie:
anarchia dresden
lizas welt
die abgründe der antisemitischen „linken“ finden sich wie immer auf beispielsweise dem blog der ANK…

halten wir fest:
keine solidarität mit: antisemiten, heteronormativen, rassisten, islamisten, faschisten und sexisten! egal in welchem gewand!
free gaza, from hamas!

„Holocaustleugner und Rechtsradikale“ bei der Polizei

Von Matthias Thieme
Die Probleme bei der hessischen Polizei spitzen sich offenbar zu: Erst berichteten Beamte über Mobbing-Fälle bei der Polizei, jetzt wenden sich ehemalige Führungskräfte der Polizei an Innenminister Volker Bouffier und erheben schwere Vorwürfe gegen die neue Chefin des Landeskriminalamtes (LKA) und frühere Frankfurter Polizeivizepräsidentin Sabine Thurau.

Unter Thurau habe sich innerhalb der Polizei ein System des Denunziantentums herausgebildet, schreiben die ehemals leitenden Beamten am 19. Januar in ihrem Brief an Bouffier, der der FR vorliegt. Bestimmte Beamte würden bei Thurau vorstellig, um andere Polizisten anzuschwärzen. „Viele dieser Anschuldigungen beruhen auf Gerüchten, Hörensagen, Flurfunk und bewussten Lügen“, schreiben die Polizeibeamten.
Dennoch seien oft ohne ausreichende Beweise Straf- und Disziplinarmaßnahmen gegen die denunzierten Beamten eingeleitet worden. Behauptungen würden ungeprüft zu den Akten genommen, Akteneinsicht werde den Beschuldigten verweigert. Die Betroffenen würden ausgegrenzt und im Kollegenkreis diffamiert, so die Schilderungen der Beamten, die selbst von Disziplinarmaßnahmen betroffen sind.

„Bei den Denunzianten handelt es sich erwiesenermaßen um Holocaustleugner und Rechtsradikale“, heißt es in dem Brief. Manche dieser Rechtsradikalen seien später „zunächst zum Hessischen Landeskriminalamt und dort pikanterweise zum Staatsschutz versetzt“ worden.

Ein rechrsradikaler Beamter sei später „als Ausbilder zur Hessischen Polizeischule versetzt“ und auch noch befördert worden . Dieser Beamte sei „momentan dazu ausersehen, im Namen des Landes Hessen Polizisten in Afghanistan auszubilden“, heißt es in dem Schreiben an Minister Bouffier. Vom Innenministerium war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu dem Brief der Polizeibeamten zu erhalten. Auch vom Polizeipräsidium Frankfurt gab es am Mittwoch keine Erklärung zu den Vorwürfen.

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Verboten: Gedenkveranstaltung in Moskau

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Am 19. Januar jährt sich der Todestag des libertären Anwalts Stanislaw Markelow und der Journalistin und Anarchistin Nastja Baburowa.
Moskau: Gedenkveranstaltung für Markelow und Baburowa untersagt

Am 19. Januar jährt sich der Todestag des libertären Anwalts Stanislaw Markelow und der Journalistin und Anarchistin Nastja Baburowa. Beide wurden vor dem Eingang der Moskauer Metrostation „Kropotkinskaja“ durch einen Killer erschossen. Markelow war einer der engagiertesten russischen Anwälte – er vertrat anarchistische und antifaschistische Aktivisten und war der letzte russische Anwalt, der sich nicht scheute direkt in Tschetschenien zu arbeiten – hier vertrat er u.a. die Familie von Elsa Kungajewa, einer 18-jährigen Tschetschenin, die von einem russischen Oberst vergewaltigt und ermordet wurde. Auf dem Heimweg von einer Pressekonferenz zu dem Fall des betreffenden Obersten Budanow – welcher vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, ereilte sie der Tod. […]

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Was seit dem passiert ist findet ihr hier und hier.

Wir werden unsere Genossen_Genossinnen nicht vergessen und in ihrem Andenken weiterkämpfen und uns am 19. ihrer erinnern…möge ihnen die Erde leicht sein!

mehr infos über die Situation der Antifaschisten_Antifaschistinnen und Anarchisten_Anarchistinnen im Russland der Gegenwart gibts hier.

18.12. und 23.12.09 – 3 Jahre ohne Juz Alte Feuerwache

hello,
UPDATE: AM 19.12. WIRD ES UM 14:00 UHR IN DER BAD NAUHEIMER INNENSTADT ( wird wohl auf dem Alice-Platz sein) EINEN FREILUFT-INFOLADEN GEBEN! (evtl. mit musikalischer Untermalung)

Am 18.12.06 wurde der einzige selbst verwaltete Freiraum der Wetterau unter fadenscheinigen Begründungen und bei einer Nacht und Nebel Aktion von Bad Nauheims Bürgermeister Witzel geschlossen. Am 23.12.06 sollte das letzte Konzert im JUZ stattfinden, dieses wurde ebenso verwehrt wie die Herausgabe von persönlichen Gegenständen im JUZ.
Damals wurde der erfolgreichen antifaschistischen, emanzipatorischen, unkommerziellen und basisdemokratischen Kultur- und Jugendarbeit eine klare Absage erteilt, weil die „Rebellen“ der Stadt ein Dorn im Auge waren. Diese sei „undemokratisch“.
Wie sich Witzel und Konsorten „demokratische“ Jugendarbeit vorstellen zeigt sich heute, im neu eröffneten JUZ Alte Feuerwache (in welchem übrigens die damals angebrachten „Mängel“ nicht ausgebessert worden sind): sexistische, konservative Veranstaltungen für Kinder und deren Eltern, alles unter der Federführung eines Beirats, welcher jedoch vollkommen auf den Bürgermeister angewiesen ist. Jugendlichen, Migranten, Kunst-Interessierten und ärmeren Menschen wurde so der Zugang zu Selbstbetätigung und Kultur verwehrt..Seitdem ist es zu einem Erstarken der rechtsextremen Szene und deren gewalttätigen Aktionen in der Wetterau, zuletzt am 7.11. in Friedberg.
Noch immer steht also der versprochene Ersatz aus, es stellt sich die Frage ob dies alle so hinnehmen möchten oder ob sich am 23.12. nicht doch einige Menschen in Bad Nauheim zusammenfinden um der Forderung nach unkommerziellen und selbst verwallteten Frei- und Kulturräumen Nachdruck zu verleihen, denn:
KUL­TUR IST MEN­SCHEN­RECHT!
Freiräume überall-wenn wir keine Räume bekommen nehmen wir uns was uns gehört: die Straßen und die Häuser!

mehr Infos über das JUZ gibts hier und hier
eine Wegbeschreibung hier

Auf einen Winter der Besetzungen, der Besetzungen der Unis, Schulen, Fabriken und Häusern der Menschen durch die Menschen statt durch staatlich bezahlte Mörder!
Auf einen Winter der kritischen Freiräume statt einen Winter der staatlich-kaptalistischen Unterdrückung!

Freiräume?
Freiräume sind (besetzte und) selbst verwaltete Häuser, Plätze oder Parks in denen mensch, frei von sexistischen, kapitalistischen, staatlichen oder rassistischen Zwängen und Vorurteilen, selbst etwas auf die Beine stellen, sich bilden oder Zuflucht suchen kann, wie beispielsweise bei Konzerten, Ausstellungen, Vorlesungen oder beim Gemütlichen Plausch mit Freunden_Freundinnen.
Freiräume sind basisdemokratisch organisiert-jede_r kann sich einbringen.
Also lehren Freiräume selbst zu entscheiden, sie bauen Vorurteile ab, graben der neofaschistischen Szene den Nachwuchs ab und schaffen einen Zugang zu Selbstverantwortung, Kunst und sozialen Problemen und das vollkommen frei von Konsumzwang, also ist dieser Zugang im Gegensatz zum kommerziellen und normalen auch für ärmere Menschen erreichbar.
Mündige Menschen können sich selbst verwalten, fernab von Staat und Zwang, Freiräume bieten dazu eine Möglichkeit.

Aber warum eigentlich genau? Zu dieser Frage haben wir ein ganz schönes Video gefunden:

Natürlich fordern wir NICHT dazu auf die ALTE FEUERWACHE am 23.12. aufzusuchen!

Über Anarchie…

Anarchie in Albanien, Anarchie herrscht (!) im Irak, Anarchie wird vor allem in den Massenmedien als billige Beschreibung für chaotische und gewalttätige Zustände verwendet. Das ist kein Zufall: Anarchie kommt aus dem Griechischen und heißt soviel wie „ohne Herrschaft“. Und weil nach der gängigen Meinung ohne Herrschaft, ohne klar strukturiertes Oben und Unten bloß Chaos und Gewalt herrschen würden, ist die Anarchie als Begrifflichkeit dafür schnell zur Hand.

Bloß: Herrschaft stützt sich selbst auf Gewalt (zumeist die Staatsgewalt), ja könnte ohne Gewalt oder ohne Androhung derselben gar nicht existieren. Und dabei ist es ziemlich egal, ob es sich um eine Monarchie, eine Parlamentarische Demokratie oder um ein staatskommunistisches Modell handelt. Gewalt dient dazu, die bestehenden Hierarchien zu festigen und die Rollen in der jeweiligen Gesellschaft einzuzementieren. Wer ausschert, bekommt die Knute zu spüren. Das ist die ultimative Form von Gewalt. Kein plötzlicher emotionaler Ausbruch, sondern kaltes System. Und chaotisch zugleich. Wäre es das nicht, würden sich nicht ständig die Lebensverhältnisse verändern – in letzter Zeit in jedem Fall zum schlechteren. Plötzlich heißt es allenthalben, dass wohlerworbene Rechte und Besitzstände in Frage gestellt werden müssen, weil es so nicht weitergehen könne. Nach Meinung von ExpertInnen, die von irgendwelchen PolitikerInnen aus dem Hut gezaubert werden. Ganz so, als ob wir alle bis jetzt im Schlaraffenland gelebt hätten. In den letzten Jahren hat ein massives Lohndumping und ein sozialer Kahlschlag stattgefunden und es ist kein Ende in Sicht. Die Leute glauben den Schmäh mit der Krise und schuften noch mehr für immer weniger, weil angeblich kein Ausweg bleibt. Frust und Armut greifen um sich, immer mehr Menschen üben Gewalt auf andere aus, weil sie entweder ihr eigenes Leben nicht mehr packen, oder weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Dafür gibt es ein Wort: Chaos. Gegründet auf Gewalt.

Also was ist jetzt mit den gewalttätigen AnarchistInnen?

Die ständige Gleichsetzung mit zielloser Zerstörungswut nimmt der Anarchie vor allem den Charakter einer gesellschaftlichen Perspektive mit recht konkreten Vorstellungen. Nämlich, dass die Ablehnung von Herrschaft und der Wille zu Eigenverantwortlichkeit und Selbstverwirklichung und solidarischem Zusammenleben die Basis für eine anarchistische Gesellschaft ist. Dass nicht Zwang, Konkurrenzdruck und Neid der Gesellschaft ihren Stempel aufdrücken, sondern Gleiche unter Gleichen, ohne einen Hauch von Hierarchie und Bevormundung sich wirklich gern für sich und andere einsetzen werden.

Bei all den Bildern, die über die Anarchie verbreitet werden, ist das nicht ersichtlich. Um es zu konkretisieren: ich glaube nicht, dass der Begriff heutzutage absichtlich verwendet wird, um die Anarchie zu diffamieren. Das hat sich festgefressen. Denn selbst wenn sich die Journaille über (vermeintliche oder echte) anarchistische BombenlegerInnen auslässt, hat sie dabei nichts Politisches im Sinn. Der Anarchist, ein bärtiges, hasszerfressenes Männchen in schwarzem Umhang mit dem Dolch im Gewande oder dem Messer in der Hand, das ist eher das Bild von einem Desperado, denn von einem Menschen mit einer nach vorne gewandten politischen Zielsetzung. Und genau diese Bilder sollten mal zurecht gerückt werden.

Wohin? Wohin?

Als AnarchistInnen sind wir ja vielen Vorwürfen ausgesetzt, und die kommen nicht mal immer von konservativer Seite, auch von autoritär denkenden Linken. Neben dem Gewalt- und Chaosargument wird gegen die Anarchie ins Feld geführt, wer denn dann arbeiten wird, wenn niemand mehr muss. Da sehen viele einen Wohlstand in Gefahr, den sie eh nie hatten. Mit dieser Frage entlarvt sich der/die FragestellerIn selbst. Denn arbeiten tut niemand gern. Hier und heute. So ziemlich alle würden sich im Bett gern noch mal umdrehen und weiterschlafen, weil mindestens acht Stunden Hackeln keine recht erbauliche Perspektive sind. Und wenn die mal runtergebogen sind, wissen eh alle wie es ihnen geht. Wenn überhaupt noch weitere acht Stunden übrig sind, können die nur noch zu einer matten und geistlosen Erholung führen für den nächsten Arbeitstag. Für sinnvolle Gedanken bleibt da kaum noch Kraft (der Verfasser dieser Zeilen quält sich jetzt gerade auch dementsprechend). Und so gesehen nimmt es nicht wunder, wenn kaum jemand den anderen das Hackeln zutraut, wenn sie nicht müssen. Niemand will es sich bei sich selbst vorstellen.

Nur was wäre, wenn die ganzen unnötigen Arbeiten, die heute verrichtet werden, dann nicht mehr ausgeführt werden? Unsere Vorstellung von Anarchie ist eine Wirtschaft, die dem Wohle aller dient. Das heißt, alles was benötigt und auch gemeinsam vereinbart wird, wird auch produziert, und gehören tut es allen. Und weil es allen gehört, braucht es niemand, um es zu verkaufen oder zu bewachen. Polizei, Militär, Werbewirtschaft, Versicherungen, SozialarbeiterInnen sprich alles, was mit Armutsverwaltung, Armenbekämpfung und Dienstleistung zu tun hat, wäre überflüssig. Und das ist ein ganz hübscher Brocken. Es gibt Schätzungen, wieviel durchschnittliche Tagesarbeitszeit ohne den Blödsinn anfallen würde: je nach Analyse zwischen zwei und vier Stunden. Und da würde der Verfasser schon lieber aus dem Bett kriechen und auch den Müll wegbringen. Es könnten noch mehr Aspekte über sinnlose Arbeit und Produktion beleuchtet werden, diese würden aber hier den Rahmen sprengen und sind ein recht umfassender Stoff für erquickliche Diskussionen.

Und es kommt noch was dazu. Nicht nur, dass die Arbeit heutzutage als Mühsal empfunden wird. Wer ärgert sich nicht über unfähige und herrschsüchtige Chefs? Arbeit wird heute in den seltensten Fällen nach eigenem Wissen und Gewissen ausgeführt. Das macht sie noch unerträglicher. In einem gleichberechtigten Miteinander gibt`s sowas nicht. Wir wollen jedenfalls so ein gleichberechtigtes Miteinander. Und wir wollen damit nicht bis zur großen Revolution warten, nach der alles gut ist, weil die Bonzen auf den Bäumen hängen. Denn es kann auch gelebt, experimentiert und immer wieder neu diskutiert werden. Das ist jedenfalls erbaulicher als sich auszudenken, mit wem aller abgerechnet werden wird, wenn der große Tag gekommen ist. Denn darum gehts gar nicht. Die Anarchie kommt erst, wenn alle das wollen. Wir wollen nicht das System verbessern (wie die SozialdemokratInnen), und wir wollen auch nicht bloß eine Wirtschaft durch eine andere ersetzen (wie die KommunistInnen), weil Zwang und Bevormundung dabei bestehen bleiben. Wir wollen das ganze Gerümpel, das so vielen auf so unterschiedliche Weise das Leben zur Hölle macht, entsorgen: das Patriarchat, den Rassismus, den Antisemitismus, Homophobie, etc. Kurz jede Form von Herrschaft und der damit verbundenen Gewalt. Und auf keinen Fall wollen wir die Brechmittel Staat, Gott und Nation!

Wie wollen wir hin und wie gehts dann weiter: das kann in diesen Zeilen nicht stehen, es ist kein Manifest. Aber die Diskussion darüber sollte hier und heute beginnen!

Sepp

Aus: „Anarchie“ Nr. – / + (2004)

Originaltext: http://www.schwarzwurzeln.org/

Anarchistische Ideen – Haltung und Handeln im Alltag

Das Jonglieren mit den Vorurteilen des anderen gehört zum Rüstzeug eines jeden ‚guten‘ Ideologen. Ob „Linker“, „AntiglobalisierInnen“, „Anarchos“ oder „Autonome“ – ob „Kapitalisten“, „Faschos“, „BürgerInnen“ oder „Bonze“, gut eingesetzt, läßt sich sogar der Satz sparen: Sie wissen schon, wer gemeint ist. Ich jedenfalls weiß oft nicht, wer da ‚an sich‘ gemeint ist, höchstens noch was. Doch eine noch so feingesponnene Ideologie bleibt ohne Wirkung, fehlt ihr das sie bestätigende Vorurteil. Mit einem dieser Vorurteile soll deshalb aufgeräumt werden, es geht um die diffusen Zusammenhänge, die sich oft hinter der Bezeichnung „Anarchist/in“ verbergen.

Um also einer ideologischen Verbrämung vorzubeugen, lautet die Fragestellung nicht: Wer oder was ist ein Anarchist? Sondern vielmehr: Was tut ein Anarchist? Bzw.: Welches Handeln und welche Ideen lassen auf eine anarchistische Haltung schliessen? Anarchistische Ideen gewinnen erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts theoretische Tragweite.

Als der Anarchismus als theoretische Denkfigur entsteht, ist er vor allen Dingen in zunehmender Konkurrenz zu sozialistischen, kommunistischen und liberalen Ideen zu verstehen. Waren anfangs noch kaum Unterschiede erkennbar, kristallisierten sich bald spezifisch anarchistische Positionen in vielen politischen Problemfeldern heraus. Fragen wie: Was ist der Mensch? Wie ist der moderne Staat zu verstehen? Oder: Welche politischen Lösungen gibt es für soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit? fanden in anarchistischen Texten und Theorien ihren fruchtbaren Niederschlag. Von der politisch-praktischen wie auch theoretischen Dimension zeugen nicht nur die Debatten, die klassische Vertreter wie Bakunin, Kropotkin, Stirner oder Landauer innerhalb der sozialistischen oder kommunistischen Lager immer wieder anzettelten, die messerscharfe Kritik, mit der sie die liberale Theorie entlarvten, sondern auch ihre bewegten Lebensläufe selbst. Es wäre also falsch von einer anarchistischen Haltung als einer apolitischen oder gar antigesellschaftlichen zu sprechen. Die Kritik des Anarchismus wendet sich nicht gegen Gesellschaft ‚an sich‘, sondern in seinen besonderen theoretischen Ausprägungen gegen spezifische Formen der Vergesellschaftung. Wie im übrigen jede politische Theorie von Gewicht. Es ist hier nicht der Raumfür eine gründlich dargestellte Analyse, aber ich denke, grob sagen zu können, daß der ‚Anarchismus‘ sich im wesentlichen gegen jedwede Art sozialer Ungerechtigkeit wendet, also gegen diejenigen Formen der Vergesellschaftung, die sich über ein asymmetrisches, heißt ungleiches, Machtverhältnis der einzelnen Individuen zueinander charakterisieren. Ein Blick in die Geschichte des 19. Jahrhunderts genügt, um die Bedeutung einer solchen Sichtweise einzusehen. In diesem Sinne ist eine anarchistische Haltung in jedem Falle eine politische.

Da wir uns auch heute gezwungener Maßen mit Gesellschaftsformen konfrontiert sehen, die, ähnlich denen des 19. Jahrhunderts, mit immer neuen Institutionalisierungswellen, die Macht und Herrschaft des Menschen über den Menschen manifestieren (der moderne Staatsapparat ist hier wesentlicher Motor), haben anarchistische Ideen auch heute noch ihren Reiz und ihre Bedeutung. Die Entfaltung des modernen Staates als eines komplexen Geflechts institutioneller Räume(1) hat nicht nur die ‚ursprüngliche‘ Gestalt der Produktionsformen überlagert, sondern vor allem die Sprach- und Lebensformen der gesellschaftlich verfaßten Individuen in ungeahntem Ausmaß beeinflußt. Die einhergehende, expansive Verrechtlichung von gesellschaftlichen Räumen, in denen Menschen interagieren, ist aus anarchistischer Perspektive deshalb problematisch, weil hierbei die Handlungsautonomie einzelner systematisch untergraben wird. Herr seiner Sinne, seines Geists, doch nicht Herr seines Tuns. Die Problematik entspringt im Freiheitsgedanken und verschärft sich dadurch, daß durch die institutionelle Vermittlung von menschlichen Handlungen zu-, mit-, durch- und füreinander, den Einzelnen ihr spezifisches Verhältnis (mithin eben auch Machtverhältnis) als intransparentes, sprich undurchschaubares erscheint. Das allgemeine Ohnmachtsgefühl oder Individualisierungstheorien(2) mit ihrer These der sozialen Verarmung bei steigender institutioneller Verflechtung sind zwei aktuelle Beispiele, die dem Ausdruck verleihen. Gegenüber der konventionellen Theorie, die der Unfehlbarkeit gegebener Institutionen huldigt, der sozialistischen, die dem ewigen Wandel zum Besseren harrt und der kommunistischen, die die Selbstauflösung von Institutionen nach der „Vorgeschichte“ verspricht, drückt sich die anarchistische Haltung gerade in der Skepsis aus, ob nicht jedes intransparente Verhältnis von Menschen zueinander schon Herrschaftsformen (Macht) begründen könnte. Staatliche Institutionen, wie Bürgeramt, Verkehrsbetriebe oder Parlament sind nur klassische Beispiele solcher Institutionen, bei denen das Handeln von Mensch zu Mensch vielfach intransparent vermittelt ist.

Anarchistische Haltungen finden ihren Ausdruck in ethischem und politischem Handeln

Vom Freiheitsgedanken und der Gleichheitsidee her strömt die ethische Kraft anarchistischer Haltungen, welche hinter den nach Interessen geschichteten „Sachzwängen“ das Wirken von Menschen erkennen. Insoweit finden sich anarchistische Haltungen auch in der sozialistischen oder kommunistischen wieder, was gar nicht bestritten werden soll. Doch ist das Primat der Handlungsautonomie des/der Einzelnen vor jeder gesellschaftlichen Institutionalisierung, ethisch nirgends so fruchtbar wie in den anarchistischen Ideen. Dem Schwächeren zur Seite zu stehen, die Toleranz des Anderen, Selbstverantwortlichkeit des eigenen Tuns, so könnte man unter anderem konkretes anarchistisches Handeln benennen.

Auf der Suche nach Selbstverwirklichung in Eigenverantwortlichkeit entdeckt solches Handeln die auferlegten, eigenen Grenzen auch als die anderer. Hieraus speist sich der genuin politische Charakter. Wie sich aus dem Gesagten andeutet, ist die anarchistische keine extrem individualistische Haltung, obwohl der/die Einzelne als einziges Handlungssubjekt verstanden wird. Dem Trugschluß, man käme auch alleine klar, kann nur der erliegen, der sich von Institutionen umschlossen sieht. Um mich selbst zu verwirklichen, benötige ich die Hand des anderen, genauso wie er meine, und bezeichnender Weise findet Selbstverwirklichung heute vorwiegend in der privaten Sphäre und nicht in der öffentlichinstitutionalisierten statt.

Aus der politischen, skeptischen Haltung gegenüber Institutionalisierungen und dem ethischen Impuls ergibt sich also die Praxis eines Handelns, die sich in jedem Moment des Alltages gegen dessen Institutionalisierung wehrt, gegenüber Machtverhältnissen im alltäglichen Miteinander aufbegehrt, und zum Anderen drängt, um ihm von mensch zu mensch ins Aug‘ zu sehn.

Der ewigen Macht des Seins, widerstreitet stets die Kraft des Sollens.

Im Gegensatz zur ‚geronnenen‘ Hoffnung des Sozialismus oder Kommunismus, oder schlimmer zur ‚leeren‘ der konventionellen Theorie, die eben alle nicht ohne intransparente und damit für Herrschaft (Macht) anfällige Institutionalisierungen auskommen, hat den Anarchismus schon seit je her eine echte Utopie ausgezeichnet. Die Hoffnung nämlich, daß sich die Menschen in assoziativen Formen organisieren können, ohne daß jeder einzelne seinen Rechten und Pflichten durch institutionelle Vermittlung beraubt ist. Demzufolge ist von der Theorie des Anarchismus auch kein Konzept für eine neue „Makroordnung“ der Gesellschaft zu erwarten. Im Wettstreit der Ideen verhilft sie eher den konkreten Lebens- und Handlungsformen zum Ausdruck, als Menschenbildern und Handlungskonstruktionen nachzujagen.

Nieder mit den Mauern!

Anarchistisches Handeln und dazugehörige Haltung sind also keineswegs antipolitisch, gesellschaftsfern, gedankenverloren und vor allen Dingen nicht hoffnungslos. Ich plädiere dafür, das Bild vom steineschmeißenden Einzelgänger, der gegen alles ist und nur Chaos will, endlich über Bord zu werfen. Das gilt in gewisser Weise auch für die Stilisierung von Straßenkämpfen. Wir haben beides, Verzweiflung und Verantwortung. Ein klein wenig anarchistisch handelt ja fast jeder ab und an in seinem Alltag. Und in diesem Sinne bin ich von der leisen Hoffnung beseelt, daß sich anarchistische Haltungen in unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit immer deutlicher durchsetzen, und damit der Anarchismus zu einer echten Option des Handelns in einer sich entgrenzenden Welt werden kann.

(clov)

Aus: der anarchosyndikalistischen Leipziger Zeitung feierabend – libertäres 1Monatsheft aus Leipzig #1 September 2002:

wer wir sind

Wir sind:
das „Libertäre Bündnis der Wetterau“

Wir wollen:
Eine solidarische, dezentralistische Gesellschaft frei von Unterdrückung JEDER Art, seien es Sexualnormen, sei es die finanzielle Unterdrückung durch den Kapitalismus, sei es die Unterdrückung durch die Einteilung der Menschen in „Rassen“ oder sei es die Unterdrückung durch Autoritäten wie Staat, Polizei, Kirche oder Parteien, deren Zweck und Anliegen nur die Legitimation und der Schutz des herrschenden, unterdrückenden Gesellschaftssystems sind und seien können; oder kurz:
den Libertären, also Staatsfreien, Kommunismus.

Wir versuchen unser Ziel zu erreichen durch:
1. Sabotage des Unterdrückungsautomaten der herrschenden Gesellschaft
oder Verweigerung/Sabotage der staatlich/gesellschaftlichen Vorgänge.

2. Befreiung der Gedanken der Menschen von gesellschaftlichen Grenzen
oder Bildung, Diskussion, Denkanstöße.

3. Solidarität mit den/ Unterstützung der Unterdrückten dieser Welt
oder Veranstaltungen um finanzielle oder ideelle Unterstützung zu erhalten und auf die Problematik der Unterdrückten aufmerksam zu machen.

GEGEN NATIONALISMUS, FASCHISMUS UND KAPITALISMUS!
FÜR DIE REVOLUTION, FÜR DIE ANARCHIE!
WIR SEHEN UNS AN DEN BARRIKADEN!